Unser Kirchentagebuch 67

Zwischenzustand

Der heutige Tagebucheintrag ist von:
Rolf Müller, Pastoralreferent

Sonntag, dem 24. Mai 2020

Zwischenzustand

„Die Apostel verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit Maria und den Frauen“ – so erzählt es uns heute das Sonntagsevangelium. Es berichtet von einem „Zwischenstatus“: Jesus ist schon in den Himmel aufgefahren und der Heilige Geist ist noch nicht auf die Jünger herabgekommen. Noch wissen die Jünger nicht, wie, wann und ob es weitergeht. Sie sind zum Warten verurteilt; bei manch einem – so stelle ich es mir vor – mag sich wohl auch ein leichter Zweifel eingeschlichen haben. Ich stelle mir die Fragen der Apostel und Frauen von damals vor: „Wie lange dauert dieser Zustand dann noch? Wann können wir wieder aktiv mitmischen? Wann verlässt mich meine Angst, damit ich wieder neu anfangen kann? Bleibt Jesus weg? Wer gibt mir Kraft und Energie?“

So manche dieser Fragen sind typisch für „Zwischenzustände“, wie wir sie bestimmt alle schon einmal erlebt haben. Und wenn ich sie mir näher ansehe dann merke ich: Eigentlich ist die Zeit jetzt auch so ein „Zwischenzustand“. Die härteste Zeit des „Lockdowns“ ohne öffentliche Gottesdienste, mit geschlossenen Läden und Restaurants und mitabgesagten Veranstaltungen liegt erst einmal hinter uns. Ganz vorsichtig versuchen die Verantwortlichen in aus Politik, Kirche und der Medizin, einen „Zwischenzustand“ zu gestalten, bis es wieder eine neue Normalität nach der Pandemie wieder geben kann. Auch wir in unseren Gemeinden tun das: Wir versuchen – mit aller Vorsicht – wieder Veranstaltungen auf die Beine zu bekommen. Die Eröffnung der Renovabis – Aktion gestern Abend in der Kirche St. Hedwig ist ein gutes Beispiel dafür gewesen. Genauso soll es wieder andere Veranstaltungen und Begegnungen in den nächsten Wochen geben; Gremien sollen wieder tagen, Katechesen sollen wieder stattfinden und vieles andere mehr. Wir hoffen sehr, dass wir einen guten Weg durch diesen Zwischenzustand in unseren Gemeinden finden – und noch mehr, dass wir wieder einen neuen Anfang nach der Pandemie schaffen können.

Von den Aposteln und den Frauen kann ich etwas für diesen Zwischenzustand lernen. Sie sind einmütig geblieben: Das heißt für mich, dass diese Apostel miteinander geredet haben, dass sie sich nicht haben auseinander bringen lassen, trotz aller Meinungsverschiedenheiten, die es vielleicht auch bei ihnen gegeben hat. Genau das gilt es, auch jetzt für uns zu tun. Wir müssen immer wieder neu miteinander reden und Lösungen finden, ohne dabei falsche Fronten aufzumachen. Bleiben wir einmütig – denn Einmütigkeit gibt Kraft für diesen Zwischenzustand. Die Frauen und die Apostel haben viel in diesem Zwischenzustand gebetet. Sie zeigen damit, dass sie ihr Vertrauen in Gott und in eine neue Zukunft nicht verloren haben. Tun wir es ihnen in diesem Zwischenzustand nach!

Eine Bitte:
Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei.
Vielen Dank!

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