Unser Kirchentagebuch 24

Hinabgestiegen in das Reich des Todes

 

Samstag, der 11. April 2020

Tagebucheintrag von Ralf Albensoeder
Pastoralreferent in St. Markus

 

Diese Zeile aus dem Glaubensbekenntnis fällt mir am Karsamstag ein. Es ist eben nicht der Ostersamstag, der erst nach Ostern ist, es ist der Klagesamstag, dass bedeutet das „Kar“ von karen=klagen.

Zwischen Tod und Auferstehung liegt dieses sperrige “hinabgestiegen in das Reich des Todes“.

Als Theologe Joseph Ratzinger schreibt vor langer Zeit: „Es gibt eine Nacht in deren Verlassenheit keine Stimme hinabreicht; es gibt eine Tür, durch die wir nur einsam schreiten können: das Tor des Todes. Alle Furcht der Welt ist im Letzten die Furcht dieser Einsamkeit. Jene Einsamkeit aber, in die die Liebe nicht mehr vordringen kann, ist – die Hölle.“

Aber Ratzinger geht noch einen Schritt weiter. Er sagt nämlich, dass Jesus mit seinem Tod „eingetreten ist in diesen Abgrund unseres Verlassenseins. Wo uns keine Stimme mehr erreichen kann, da ist er. Damit ist die Hölle überwunden, oder genauer: der Tod, der vordem die Hölle war, ist es nicht mehr.“

Das Bild ist von Gunnar Bach Perdersen (Wikimedia) Publiv Domain)

In einem Fresko aus der ehemaligen Chora Kirche (heute Kariye Museum) in Istanbul es dargestellt. Die Pforten der Hölle sind zerstört, der Tod gefesselt und Jesus befreit Adam und Eva aus den Gräbern. Mitten in der absoluten Einsamkeit des Todes, selbst dann kommt Jesus und befreit.

In dem damaligen Weltbild musste die Verstorbenen in einer Unterwelt, Hades, Scheol ausgeschlossen einsam fern von Gott verweilen.

Dagegen sagt dieser Einschub im Credo, das die Frohbotschaft auch dorthin geht, wo Einsamkeit, Verzweiflung, wo die Hölle regiert dringt, weil Jesus auch dahingeht.

Die Frohe Botschaft gilt allen Menschen, auch denen, die vor Jesus gelebt haben.

Karsamstag – Klagesamstag. Stimmt das?

Jesus geht auch dahin, wo es richtig schwer ist. Er steigt hinab in das Reich der Toten – nicht gleich zur Auferstehung – und befreit zum Leben.

Ich wünsche Ihnen einen, besinnlichen, aber auch dankbaren Karsamstag.

Eine Bitte:
Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei.
Vielen Dank!

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