Unser Kirchentagebuch 32

 

 

Der heutige Tagebucheintrag ist von:
Harald Stuntebeck, Pastoralreferent

Sonntag, 19. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

 

In dieser Woche habe ich ein paar Tage Urlaub, wie der eine oder die andere unter uns.

Die eigentlich geplante Reise ist ausgefallen und so habe ich die Zeit mit etwas verbracht, wozu ich sonst wenig komme. Im Internet habe ich nach französischen Liedern und Künstlern gesucht, diese gehört und bei manchen auch ein paar Informationen gesammelt.

Dabei bin ich auf einen den Liedermacher Gauvain Sers gestoßen, der ein tolles Lied  und eine tolle Aktion gemacht hat.

In seinem Liede „Les oublies“ besingt er, wie in Frankreich Dorf-Grundschulen geschlossen werden, um die Schülerinnen und Schüler in größeren Schuleinheiten effektiver und kostengünstiger zu beschulen.

Das Lied entstand, weil eine Dorfschule in Nordfrankreich ihn gebeten hatte, sie im Kampf um den Erhalt der Schule zu unterstützen.

Sers, der selbst in einem kleinen Dorf im Süden Frankreichs aufgewachsen ist, ging auf die Anfrage ein, reiste zu der Schule, machte mit Schülern und Lehrern Aufnahmen und schrieb für sie das Lied „Les oublies“ (die Vergessenen). In diesem Lied beschreibt er die Situation dieser Grundschule, die beispielhaft für viele andere ist.

Er brachte durch sein Engagement das Anliegen an die Öffentlichkeit. Nach meinen Informationen hatte die Aktion von Lehrern, Eltern, Schülern und Sers Erfolg,  die Schule wurde nicht geschlossen.

Der Refrain des Liedes lautet:

On est les oubliés                                 Wir sind die Vergessenen
La campagne, les paumés              Das Land, die (wörtlich Palmen) auf dem Land sind
Les trop loin de Paris                          Diejenigen, die zu weit weg von Paris leben
Le cadet d’leurs soucis                      Die, die mit ihren Sorgen allein gelassen sind

Mich hat Gauvain Sers ,mit seinem Lied und seiner Aktion beeindruckt. Er hat mich darüber hinaus angeregt, darüber nachzudenken, wer oder was in meinem Leben „die Vergessenen“ sind. Freunde, Verwandte, bei denen ich mich schon lange nicht gemeldet habe.

Dinge die ich schon immer einmal tun wollte,…

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich, vielleicht gibt es bei Ihnen auch „die Vergessenen“.

Schau‘n sie doch einmal nach, rufen Sie einmal überraschend jemanden an, der nicht damit rechnet oder tun sie etwas was sie schon immer einmal tun wollten,…

Wenn Sie auch französische Lieder mögen oder es interessiert sie die Schule, die Gauvain Sers besucht hat. Dann klicken Sie einfach auf den Link.

https://www.youtube.com/watch?v=CIfV6TQIhcc

Den ganzen Text zum Lied gibt es auf Französisch und Englisch hier:

https://lyricstranslate.com/de/les-oubli%C3%A9s-forgotten-ones.html

Viel Freude dabei wünscht Euch und Ihnen

Harald Stuntebeck

 

Eine Bitte:

Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei.

Vielen Dank!

Ein Gedanke zu „Unser Kirchentagebuch 32

  1. Dieses Sterben der Grundschulen auf den Dörfern habe ich selbst in der Eifel miterlebt. Ein- bis dreiklassige Grundschulen wurden einfach aufgelöst. Kinder ab 6 Jahren mussten dann morgens früh und mittags zurück mit Bussen fahren um in größeren Schulen am Schulunterricht teilzunehmen, besonders im Sommer eine Tortur und im Winter gefährlich wegen Glatteis und Schnee. Den Dorfschulen fehlte auch nichts! Die Lehrer hatten sogar mehr Fördermöglichkeiten für schwache Schüler.
    Ich war selbst in einer Klasse mit 2 weiteren Schuljahren. Man hörte auch bei den Größeren zu oder hatte sogar die Möglichkeit, wenn man mit seinen Aufgaben fertig war, beim nächst höheren Schuljahr zuzuhören oder sogar mitzumachen. Auch die Nachmittagsverabredungen zum Spielen oder Hausaufgaben machen klappten besser, weil man einfach zu dem anderen Kind hingehen konnte und nicht gefahren werden musste, oder gar nicht hin konnte. Besonders schüchterne Kinder sind die Verlierer dieses zentralen Systems. Aber in den ländlichen Regionen in Deutschland ist das leider inzwischen überall so.

    Der Hinweis die „Vergessenen“ nicht zu vergessen, ist ganz wichtig in diesen Tagen. Es hilft nicht nur dem Anderen, sondern ist auch sehr hilfreich für uns selbst.

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