Unser Kirchentagebuch 13

Geduld

 

Dienstag, der 31. März 2020

Tagebucheintrag von Ralf Albensoeder
Pastoralreferent in St. Markus

 

Warten – der Tagebucheintrag von Rolf Müller gestern.

Lieber Rolf, Du hast mir zwei Stichworte gegeben, die mich den heutigen Tag begleiteten: Geduld und Ungeduld.

Geduld fiel und fällt mir oft auch dann schwer, wenn ich sicher weiß, dass das Ereignis kommt. Wie ungeduldig war ich als Kind trotzdem, bis Weihnachten da war mit der Bescherung. Wie ungeduldig als ich auf die Geburt unserer Kinder warten musste…

Und jetzt – es gibt kein definiertes Ende. Ich bin oft ungeduldig heute, wieder das gewohnte Leben führen zu können, mit Freunden, ohne Angst vor einer unheimlichen Krankheit. Wie ungeduldig warte ich auf bessere Nachrichten aus Italien, aus den USA aus den afrikanischen Ländern, aus Deutschland……

Die Ungewissheit, eben kein Wissen zu haben, ist voller Schrecken. Da nützt schönes Wetter nur sehr geschränkt. Ungeduld – und ich kann nichts ändern. Nichts geschieht früher oder besser, nur weil ich es ersehne in diesen Zeiten.

Und Ungeduld hat auch einen tiefen Schatten – die Aggression. „Sei nicht so ungeduldig“ ist oft genug der Hinweis – sei nicht so aggressiv. Ungeduld kann mich – nicht zum Guten – verändern.

Und dann fällt mir ein welche Geduld eigentlich Gott mit uns hat, mit welcher Geduld in diesen Tagen Kranke versorgt werden, Kinder zu Hause beschäftigt werden (auch wenn es manchmal, Gott sei geklagt nicht so ist): dann ist Geduld das Gegenteil von Resignation.

So heißt es im Jakobusbrief: „Nehmt es voll Freude auf, meine Brüder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet! Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt.  Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt.  Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, (man darf auch sagen „Geduld“, d. V.) dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemandem einen Vorwurf.“ (Jak 1,3-5)

In dem berühmten Buch „Momo“ von Michael Ende gibt Beppo, der Straßenkehrer ein berühmtes Beispiel für Geduld, die das Gegenteil von Resignation ist.

„Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, daß man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“ Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: „Das ist wichtig.“ (Michael Ende)

Das wünsche ich uns allen, in Geduld die Stunden und Tage anzugehen – wider der Resignation – vielleicht auch mit dem Gebet in den Gedanken:

Lass mich in Geduld das hinnehmen, was ich nicht ändern kann.
Herr, gib mir den Mut und die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Und schenke mit die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 Eine Bitte:
Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei.
Vielen Dank!

 

5 Gedanken zu „Unser Kirchentagebuch 13

  1. Wie treffend: Schritt für Schritt …………. und das schöne Gebet !
    Es hat mir in schweren Stunden schon viel Kraft gegeben.
    Lieber Ralf, danke für deine schönen Worte.
    Moni

  2. Ja, das Aushaltenmüssen ist das Schwierigste. Es verbindet uns mit den Jüngerinnen und Jüngern Jesu während seines Leidens und nach seinem Tod. Da hilft das Gebet und die Gewissheit, dass Gott mit uns durch die dunkle Nacht geht! Von Beppo können wir viel lernen – nicht nur in diesen Tagen.

    Danke, Ralf, für den Zuspruch!

    Barbara

  3. guten morgen..
    habe soeben von der apostolischen Nuntiatur in Berlin eine Mitteilung erhalten, was der Hl. Vater für Ostern als Programm geplant hat. Es gibt sicher einige, die hier Interesse haben

    Sehr geehrte Frau ……
    vielen Dank für Ihre Nachricht.
    Dieses Jahr ist tatsächlich alles anders, doch hoffen wir, die Osterfreude drängt sich aus unseren Herzen zum Halleluja auf unseren Lippen.

    Der Heilige Vater wird das Triduum ohne Öffentlichkeit feiern. So wird es auch den Kreuzweg am Kolosseum nicht geben, sondern vor St. Peter gehalten werden.
    Ich schicke Ihnen einen Link, wo Sie nähere Informationen finden: https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2020-03-27/zum-umdenken-gezwungen-vatikan-gibt-veraendertes-papst-programm-fuer-ostern-bekannt

    ein gesegnetes Osterfest.
    Jürgen Doetsch

  4. Lieber Ralf, vielen Dank für Deine Worte.

    Ja, Geduld zu lernen, das ist jetzt unsere Aufgabe.

    Das kann uns leichter fallen, wenn wir auch auf die vielen positiven Nachrichten der letzten Tagen sehen.

    Morgens wird darüber öfters in der hr3-Morning-Show im Radio berichtet. Es gibt jetzt z.B. ein Portal, wo Hilfsangebote und -gesuche vernetzt werden (https://www.hessen-helfen.de/).
    Z.B., dass ein Autohaus seine Vorführwagen den örtlichen Restaurants kostenlos für Lieferdienste zur Verfügung stellt, oder dass eine Messebau-Firma jetzt Apotheken und Einzelhändlern anbietet, den Kassenbereich mit Plexiglas-Abschirmungen auszubauen und dadurch weiterhin Einnahmen erzielen kann.

    Und die vielen kirchlichen Online-Angebote bzw. Online-Gottesdienste, die auf zahlreichen Plattformen angeboten werden, können uns auch Hoffnung geben wie z.B.
    .
    * tägliche Frühmesse des Papstes aus der Kapelle im Gästehaus St. Martha (z.B. live übertragen bei Vatican News, EWTN, K-TV, Radio Horeb)
    * Mittagsmesse auf dem youtube-Kanal von Missio Österreich mit Partner Karl Wallner um 12 Uhr
    * tägliche Messe um 18 Uhr aus der Bistumskapelle unseres Bischofs (erreichbar über die Bistumsseite https://bistumlimburg.de/)
    * Vorlagen für Hausgottesdienste des Bistums Limburg (https://bistumlimburg.de/beitrag/material-zum-fuenften-fastensonntag/ )
    * oder auch von anderen Bistümern (https://bistum-augsburg.de/Hauptabteilungen/Hauptabteilung-VI/Gottesdienst-und-Liturgie/Gottesdienste/Hausgottesdienste )
    * gemeinsames Gebet mit Verena Nitzling, Pater Roger und Ruben Manger über Video-Chat
    * dieses Kirchentagebuch

    Ich denke, auch das geänderte Osterprogramm des Papstes wird auf vielen Kanälen übertragen werden. Und wir können die Palmweihe in unserer Pfarrgemeinde am Palmsonntag um 10:30 Uhr als Video auf unserer Webseite anschauen.

    Bitte denken Sie aber auch an diejenigen Pfarrmitglieder, die nicht im Internet unterwegs sind.
    Vielleicht können Sie diese Menschen über Angebote unterrichten, die zumindest im Fernsehen (auch außerhalb von ARD und ZDF) zu sehen sind.
    Prinzipiell sind auch EWTN und K-TV über den Fernseher zu empfangen. Radio Horeb ist über Digitalradio (DAB+) zu empfangen.

    Hoffe auf den Herrn und sei stark!
    Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn.
    (Eröffnungvers der heutigen Tagesliturgie)

    Viele Grüße
    Torsten

  5. Danke für die motivierenden Texte!!
    Ich habe mich dadurch daran erinnert, dass es in den Michael Ende Büchern meist von einer aussichtslosen Anfangssituation, mit der Überwindung vieler Hindernisse, mit viel Geduld und der nötigen Zuwendung zum Anderen in oft schwierigen Situationen, immer zu einem guten Ende kommt.
    Das erhoffen wir auch für diese Krisensituation. Ja, das Schwierigste ist wirklich das Aushalten – besonders weil man nicht weiß, wie lange die aktuelle Situation anhalten wird. Aber vielleicht können uns die Helden unserer Kindheit da wirklich als Vorbild dienen, ob Momo, Jim Knopf und Lukas oder Bastian, Balthasar Bux. Sie alle halten durch und geben niemals auf.
    Herzliche Grüße,
    Martina

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