Das Wochenwort 26

Adventliche Gestalten

 

Das heutige Wochenwort kommt von:
Pfarrer Rolf Glaser

Sonntag, 6. Dezember 2020

 

Zwei adventliche Gestalten prägen das kirchliche Leben an diesem 2. Adventsonntag: Der hl. Nikolaus und Johannes der Täufer. Ersterer ist der Tagesheilige. Letzterer ist die zentrale Figur im Evangelium des 2. Advent (In diesem Jahr fallen der 6. 12. Und der 2. Advent zusammen). Beides sind sie Berühmtheiten der christlichen Tradition und der Volksfrömmigkeit. Auf den ersten Blick könnte sie gegensätzlicher nicht sein. „Niklas ist ein guter Mann, dem man nicht genug danken kann“ singen wir von dem einen. Der Kinderbischof! Eine heitere gütige Gestalt!  Der andere ist ein rauer Geselle, lebt in der Wüste, trägt ein Gewand aus Kamelhaaren, verspeist Heuschrecken und wilden Honig und hält Schimpfpredigten.

Und doch sind sich die beiden ähnlicher als wir denken und haben auch eine gemeinsame Botschaft für uns. Leider haben wir von hl. Nikolaus „nur“ Legenden und kaum historische Tatsachen. Aber warum soll ein Heiliger nicht gerade durch die Geschichten zu uns sprechen, die über ihn erzählt werden? Das gelingt, wenn wir nicht nur einem verkopften Rationalismus huldigen!

Nikolaus ist eben nicht nur der liebe alte Kinderliebling mit dem Rauschebart. Die Legenden erzählen uns, dass er die Prostitution bekämpft und dass er Gerechtigkeit übt (er hilft einem armen Mann, der aus Not seine Töchter in die Prostitution verkaufen will). Beides auch heute noch Themen!

Er ist gegen Antisemitismus (er steht Juden bei, die bei Geldgeschäften von Christen übervorteilt werden oder von Christen bestohlen wurden – der Antisemitismus behauptet dies ja gerade umgekehrt. Auch heute – leider wieder – ein Thema!

Er gewährt bedrohten Kindern Schutz (die grausige Legende von den eingepökelten Kindern!) –Schlagzeilen von heute: Kinderarmut! Missbrauch von Kindern (besonders traurig: auch in der Kirche!)! Kinderarbeit! Kindersoldaten!

Nikolaus setzt sich für politische Gefangene ein (die Legende von den drei zum Tod verurteilten Soldaten) – eine Ermutigung für Amnesty International. Er war in der letzten großen Christenverfolgung im Gefängnis und erinnert uns an die Christ*innen, die heute verfolgt werden. 4.136 von ihnen wurden 2019 getötet! Über 200 Millionen gelten heute als verfolgt!

Schließlich hat er sich beim Konzil von Nikäa für den wahren christlichen Glauben eingesetzt (die Göttlichkeit Jesu Christi, des von Maria geborenen Sohnes Gottes).

Was uns zu Johannes der Täufer zurückführt: er hat nicht nur geschimpft, er hat vor allem auf Jesu als das Lamm Gottes hingewiesen und damit auf den, der eine frohe Botschaft (das Evangelium!) verkünden wollte. Er hat ihn im Jordan getauft und die Stimme vom Himmel hat ihn als „meinen geliebten Sohn“ ausgewiesen. Mit seiner Gerichtsrede hat er dafür gesorgt, dass das Evangelium nicht nur als ein „harmloser Papiertiger“ abgetan wird, sondern als Botschaft, die Konsequenzen hat: Menschen können ihr Leben gewinnen oder es verfehlen. Nichts Anderes ist auch die Botschaft Jesu. Aber das große Ziel bleibt bei Johannes wie bei Jesus, dass das Leben der Menschen glücken kann, Und dafür steht auch der Nothelfer Nikolaus, nicht nur bei den Seeleuten, deren Patron er ist.

Johannes und Nikolaus – nicht nur, aber besonders in der Ostkirche gehören sie zu den meistverehrten Heiligen. Über die Jahrhunderte stehen sie für die Relevanz der christlichen Botschaft, die sich zeigt, wo sie in Menschen Gestalt annimmt!

Rolf Glaser

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