Das Wochenwort 20

Tun, was möglich ist!

 

Das heutige Wochenwort kommt von:
Rolf Müller, Pastoralreferent

Sonntag, 25. Oktober 2020

 

Tun, was möglich ist!

 

Was bis vor kurzem der Wetterbericht, die neuesten politischen Entwicklungen oder für manche der Aktienindex war, sind heute die „Corona – Zahlen“ geworden. Ich ertappe mich selbst dabei: Jeden Tag warte ich gespannt auf die neuesten Infektionszahlen, den R-Wert und den Infektionsindex für Frankfurt. Ich merke daran: Die Pandemie hat mich wieder fest im Griff. Und tatsächlich ist es ja so, dass wir uns gerade hier in Frankfurt wegen der hohen Infektionszahlen wieder mehr Sorgen machen müssen, als wir das im Sommer noch gedacht haben.

Das trifft mich und jede/n von uns zuerst einmal persönlich. Ich muss mich fragen, wo ich „noch sicher bin“, welche Feiern und Begegnungen möglich und notwendig sind und welche Pläne ich für die nächsten Wochen überhaupt noch schmieden kann. Für uns als katholische Gemeinden hier in Nied – Griesheim – Gallus stellen sich genau diese aber Fragen auch. Welche Gottesdienste und Veranstaltungen können wir wie durchführen, reichen unsere Hygienekonzepte aus und: kommen überhaupt Menschen angesichts dieser Lage zu uns? Bis Advent und Weihnachten ist es nicht mehr weit, Firmungen und St. Martin liegen unmittelbar vor uns; dazu gibt es noch eine Reihe weiterer Veranstaltungen, die wir zum Teil schon lange geplant haben.

Oft erlebe ich zwei extreme Antworten auf diese Fragen. Einige sind der Meinung, dass aus Sicherheitsgründen möglichst viel abgesagt werden müsste und aufs Digitale verlegt werden sollte. Andere gehen sehr sorglos mit dieser Problematik um und denken, fast alles könnte so laufen wie vorher; als wären wir bei unseren kirchlichen Veranstaltungen gegen alles immun. Ich denke, die Antwort auf die Frage nach unseren Veranstaltungen in der nächsten Zeit müsste lauten: Wir sollen das tun, was möglich ist.

Unsere Veranstaltungen und Aktionen einfach abzusagen, ist für mich keine Option. Wir sind als christliche Gemeinden nur so systemrelevant wie wir zeigen: Wir sind da. Natürlich weiß ich, dass vieles nicht so „wie normal“ möglich ist. Aber ich entdecke, dass es viele Wege gibt, mit kreativen Ideen und guten Ideen so manche Veranstaltung durchzuführen. Beispiele gibt es bei uns schon genug. Einiges ist bereits gut neu eingeführt, wie das Mittagessen für arme Menschen jeden Sonntagmittag in Mariä Himmelfahrt. Anderes ist in Planung: Da ist das Martinsfest: In Griesheim und in Nied reitet St. Martin mit Musik durch den Stadtteil, die Kinder haben die Möglichkeit, vor ihren Häusern zu stehen und ihn zu erleben. Da sind die Ideen für die Advents- und Weihnachtszeit: Sie reichen vom Entzünden der Adventskerzen vor „Pax und People“ im Europaviertel an den Vorabenden der Adventssonntage über ein Turmblasen in Nied und Griesheim, Stationen im Freien zum Advent in Nied bis hin zu neuen Formen der Kinderkrippenfeiern am Heiligen Abend. Bei all diesen Ideen wird auf die Sicherheit für die Teilnehmenden großen Wert gelegt. Und wer weiß, vielleicht entdecken wir dabei auch so manches Neues, das auch in Zukunft Bestand haben kann.

Letztlich geht es darum, dass zu leben und zu zeigen, was uns Jesus heute im Sonntagsevangelium als das wichtigste Gesetz mitgegeben hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22, 37 – 39) Dieses Wort gilt für uns auch gerade in der Zeit der Pandemie. Ich hoffe sehr, dass wir für alle Veranstaltungen in diesem Geist Kreativität, Mut und Umsicht entwickeln. Die Heilige Hedwig, deren Patronatsfest wir heute in der Kirche St. Hedwig in Griesheim feiern, hat uns das in der Krisenzeit des 13. Jahrhunderts vorgelebt. Sie ist ein Vorbild für uns, damit auch wir mit ganzer Kraft das tun, was uns möglich ist!

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