Das Wochenwort 4

Urlaubsreif

 

Das heutige Wochenwort ist von:
Pfarrer Rolf Glaser

Sonntag, 5. Juli 2020

 

Urlaubsreif

„Mallorca. Die Geisterinsel: Was wird aus dem Lieblingsziel der Deutschen?“ so titelt heute der Spiegel. Rechtzeitig zu Beginn der Haupturlaubszeit, der Sommerferien!

Die Urlaubszeit, Krise in der Krise. Viele sind urlaubsreif! Die Minderheit fährt unverdrossen ins Ausland, nach Österreich, nach Spanien, nach Italien, nach Griechenland, nach Kroatien. Es sei ihnen gegönnt! Die südlichen Länder, die es härter getroffen hat als Deutschland,  brauchen dringend die Devisen, die der Tourismus einbringt. Hoffen wir, dass kein neues „Ischgl“ entsteht!

Ich selbst habe mich entschlossen, in diesem Sommer nicht ins Ausland zu  fahren. Es ist doch klar: möglich wäre es nur mit vielen Einschränkungen. Und wie die gesundheitliche Versorgung im Fall der Fälle aussieht – zumal für einen Touristen – ist auch unsicher.

Die Mehrheit der Deutschen bleibt im Land. Wenn sie im Urlaub wegfahren, dann Nord- oder Ostsee, Berge, Städtereisen, Bauernhof. Und da gibt es viel zu entdecken. Ich selbst wundere mich immer wieder, wie viele Gegenden mit all ihren Kleinoden und Sehenswürdigkeiten ich in Deutschland gar nicht kenne. Aber auch solche Urlaube kosten Geld! Oft gar nicht so wenig!

Nicht wenige können sich jedoch gar keinen Urlaub leisten. Sie sind von Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Einkommenseinbußen oder Verdienstausfall betroffen. Die ökumenische Initiative „Urlaub ohne Koffer“ organisiert Jahr für Jahr erschwingliche Urlaubsunternehmungen für Menschen, die sich eigentlich keinen Urlaub leisten können, mit Zielen in der Nähe, mit Tagesfahrten und ortsnahen Unternehmungen.

Sie selber können auf diese Weise Ihren „Urlaub ohne Koffer“ planen. Es gibt zahlreiche Wanderrouten in der näheren Umgebung (Bonifatius-Route, Elisabethpfad, Lutherweg, Jakobswege, etc.). Die „Weise Flotte“ bringt einem zu Zielen mainauf- und mainabwärts, Städtereisen, Ausflüge in die angrenzenden Mittelgebirge, Fahrradtouren, Wanderung im Stadtwald  oder einfach Urlaub im heimischen Garten.

Dabei geht es um Abschalten, um  Abwechslung, einfach darum, zur Ruhe zu kommen. Dabei ist nicht zu unterschätzen, dass auch dies viele Menschen nicht erreichen. Sie kommen einfach nicht zur Ruhe. Sie brauchen „action“! Ihr ganzes Leben ist eigentlich nur „action“.

Im heutigen Sonntagsevangelium sagt Jesus: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ (Mt 11, 28) „Ruhe“ meint in der Bibel nicht einfach Nichtstun, so sehr auch das sein Recht hat. „Ruhe“ erinnert vielmehr an die Ruhe Gottes am siebten Schöpfungstag, an dem er mit Wohlgefallen auf sein Werk schaut.- Wer in diese Ruhe eintauchen kann, der findet zur „tiefen Überzeugung, dass alles gut wird…Um Ruhe zu haben, müssen wir darauf setzen können, dass ein vollmächtiges Jawort die Schöpfung  und unsere Geschichte durchwaltet und dass darin unser eigenes Leben mitgetragen ist.“ (Dieter Emeis)

In diesem Sinne, wo auch immer: Erholen Sie sich gut!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

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