Das Wochenwort 2

Für diese Woche habe ich Pfarrer i.R. Klaus Wüst gebeten, in alter Verbundenheit zu uns, das Wochenwort zuschreiben. Mit vielen Grüßen aus dem Westerwald hat er es uns gesandt.  Ralf Albensoeder

 

Das heutige Wochenwort ist von:
Klaus Wüst, Pfarrer im Ruhestand

Sonntag, dem 21.Juni 2020

 

Es sind schon fast 2 Jahre her, dass ich an den Augen operiert worden bin und seitdem, außer dem Gottesdienst bei den internationalen Tagen der Begegnung mit dem Bischof in St. Hedwig, nicht mehr in Griesheim und Nied war, und wir miteinander Gottesdienstfeiern konnten. Sie können sich sicher vorstellen, wie sehr mir dies fehlt, gerade in dieser Coronazeit, in der sehr viele auch mehrere Wochen auf die gemeinsamen Gottesdienste verzichten mussten. Selbst die jetzigen Möglichkeiten nach den vorgeschriebenen Verhaltensregeln ersetzen nicht die gewohnten Gemeindegottesdienste. Immerhin gilt zwar Jesu Wort: „Wo zwei oder drei zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“, aber es fehlt doch die Erfahrung von Gemeinde und Gemeinschaft in der Eucharistie und nachher bei der persönlichen Begegnung.

Trotz der vielen Regeln und belastenden Umstände sind die Gottesdienste doch als Kraftquelle empfunden worden.

Ich war bis zum Anfang der Pandemie noch in der Klinik und wurde dann zeitnah nach Hause entlassen und konnte in der Karwoche dann die Schreckensbotschaften aus aller Welt in allen Medien verfolgen bis heute.

Da das Wetter mitmachte, konnten wir auf der Wiese hinter dem Haus mit entsprechendem Abstand eine Abendmahlsmesse halten.

Mit großer Betroffenheit haben wir all der Menschen im Gebet gedacht, die schon Opfer der Pandemie waren und voller Angst vor der Infektion die Nachrichten verfolgten mit dem verzweifelten Kampf gegen den Virus.

Wir haben allen Grund unseren Gott um seine Nähe zu bitten in der weiteren Entwicklung. In diesen Wochen ist mir ein Gebet aufgefallen von Dietrich Bonhoeffer, das gut in unsere Zeit passt:

 Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

 Seid behütet und bewahrt und gesegnet

                              Klaus Wüst. Pfr. i. R   

 

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