Unser Kirchentagebuch 81

Göttliche Heilsökonomie

 

Der heutige Tagebucheintrag ist von:
Pfarrer Rolf Glaser

Sonntag, 7. Juni 2020, Dreifaltigkeitssonntag

Die Ökonomie steht in diesen den Tagen im Zentrum der Aufmerksamkeit: das Konjunkturprogramm der Bunderegierung, die Reaktion der Wirtschaft, die Frage, ob die Maßnahmen nachhaltig sind. Die Selbstgerechtigkeit der Autoindustrie und ihrer „Zuhälter“ (Ministerpräsidenten, Gewerkschaftern und Betriebsräte). Wo hat man sie gehört im Dieselskandal, im Abgas-Skandal? Sicher, die Sorge um Arbeitsplätze ist berechtigt und muss auch unsere Sorge sein, nur: es wäre besser gewesen, sie hätte früher, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Weise, die Herrschaften umgetrieben. Und, der das schreibt, ist kein Feind der Gewerkschaften,  der Arbeitnehmer  schon einmal gar nichtganz im Gegenteil!

Auch in der Kirche geht es heute, am Dreifaltigkeitssonntag, um Ökonomie, um die „göttliche Heilsökonomie“, um „die heilsökonomische Trinität“ (Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit). Kein leichtes Thema!  Vielen Predigten am Dreifaltigkeitssonntag merkt am an, wie sie in Dogmatik erstarren oder aber sich beim Thema zieren und winden.

Ökonomie kommt vom griechischen „oikos“ (Haus). Der Ökonom ist also der „Haushälter“, die Ökonomie die „Haushaltung“.

Worum geht es bei der Trinität, im Blick auf die göttliche Heilökonomie? Es geht um die göttliche Haushaltung, in der Perspektive auf die Welt und den Menschen.

Es geht darum, dass der Vater (der Schöpfer) schon bei der Erschaffung der Welt Gedanken des Heils hatte, die er nie aufgegeben hat, so wie er sein Volk, trotz aller Schuld  nie aufgegeben hat sondern ihm die Treue hält.  Der Vater ist der, ohne den nichts ist. Wenn der Vater, der Schöpfer, nicht wäre, dann  wäre die Welt nicht, dann wären wir nicht. Dieser Vater hat die Welt in Liebe geschaffen. „Er sah, dass es gut war“ (Gen 1)! Als er den Menschen ansah, war es sogar „sehr gut!“. Er will das Heil der Welt und zwar von Anfang an! Wenn wir von Gott als dem Vater sprechen, dann sprechen wir vom Ursprungsgeschehen der Liebe.

Es geht weiter darum, dass, als die Menschen sich aus ihrer selbstverschuldeten Verstrickung in die Heillosigkeit nicht befreien konnten, Gott selbst als Sohn in der Gestalt Jesu Christi, dem Heiland auf den Plan trat, um als Repräsentant für die gesamte Menschheit heil (ganzheitlich) zu leben, das heißt das Heil als Geschenk Gottes anzunehmen und selbst aus diesem Heil zu leben; also den Menschen aus der „Heteronomie“ der „Zerrissenheit“ (Paul Tillich) zu befreien. Als die Menschheit dies selbst nicht schaffte, hat Gott eine „Betreuungsverfügung“ erwirkt, d.h. der Sohn handelt nun in der Gestalt Jesu anstelle des Menschen. Einer für alle! Er zeigt uns, wie man vor Gott in der Welt leben kann – ein Leben der Gottesfurcht und der Solidarität zugleich!

Wie geht es nach Tod und Auferstehung Jesu weiter?  Natürlich ist noch lange nicht alles in Ordnung! Aber es ist auch nicht alles einfach wieder beim Alten! Es ist wahr: Die Menschen sind ja mit dem Kommen Christi nicht einfach besser geworden. Was nutzt es, dass einer alle Schuld auf sich genommen hat, wenn es mit der Schuld der Menschen munter so weiter geht: Hass, Kriege, Egoismus, Ungerechtigkeit, Unterdrückung  und Raffgier? Als Christen sagen wir: Und trotzdem sind wir nicht heillos! Seit Jesus von Nazareth wissen wir: das Heil Gottes ist und bleibt in der Welt durch Menschen, die glauben. Dieser Glaube ist nicht ihr eigenes  Werk. Damit käme die Menschheit  nicht weit! Dieser Glaube ist das Werk des Beistandes, den Jesus verheißen hat, des hl. Geistes.  Darum geht es ihm: Er lässt nichts zugrunde gehen! Er ist der Vollender, der trotz aller Rückschläge das Heil vollendet. Er führt die Kirche und mit ihr die Menschscheit dem endgültigen Heil entgegen.

So funktioniert der göttliche Haushalt, mit dem er der Welt und den Menschen Heil erwirtschaftet. Und in dieser Wirtshaft geht er selbst ganz und gar auf, als der eine Gott in seinen drei Gestalten.

Wer sich dieser göttlichen Ökonomie anvertraut, er weiß – in welcher Krise auch immer – das die Welt kein Chaos ist, sondern Gottes gute Schöpfung, das Gott, bei allem Versagen, als Bruder an seiner Seite ist und bleibt und dass er einer guten Zukunft entgegengeht, weil Gottes Geist ihn als Mitglied des Gottesvolkes  in diese Zukunft führt und Gott selbst es ist, der die Menschheit  in dieser Zukunft erwartet. Dieses Vertrauen verhindert Katastrophen in der Menschheitsgeschichte nicht. Der, der glaubt, ist diesen Katastrophen aber nicht hilflos ausgeliefert, weil Gott selbst sein Bezugspunkt ist und bleibt.

In den letzten Wochen ist häufig nach dem Beitrag der Kirchen in dieser Krise gefragt worden. Viele fanden ihre Beiträge zu selten, zu mager und zu kleinlaut.  Sicher geht es um das diakonische Handeln der Kirche in dieser Krise und ihre ethische Position dazu. Vor allem aber lautet die Antwort: Gerade in diesen Tagen wird es uns wieder neu vor Augen geführt, dass die Menschheit nicht alles im Griff hat, sich selbst am allerwenigsten! Wäre es nicht an der Zeit, wieder mehr dieses göttlichen Konjunkturprogramm, dieser Heilsökonomie Gottes, in Erinnerung zu rufen und sich ihr anzuvertrauen? Die Einsicht, dass der Mensch sich nicht selbst genug ist, sich nicht selbst erschaffen, und auch nicht selbst erlösend kann – und auch nicht alleine vollenden muss! Eine Einsicht, die befördert werden will! Wer sollte damit beginnen, wenn nicht wir als Kirche, als Volk Gottes? Das vor allem ist unser Beitrag als Christen in den Krisen dieser Zeit! Wer mag, kann ihn zur Kenntnis nehmen und sich davon inspirieren lassen. Dies könnte uns dieser Dreifaltigkeitssonntag im Zeichen von Corona neu ins Bewusstsein rufen!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Bitte,
denken sie auch an die Menschen in ihrer Umgebung, die nicht über einen Internetzugang verfügen und drucken sie das Kirchentagebuch aus und werfen es ihren Nachbarn, Freunden und Bekannte bei einem kleinen Spaziergang in den Briefkasten!
Vielen Dank

 

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