Unser Kirchentagebuch 29

„Alles ist miteinander verbunden“

 

 

Kirchentagebuch 16.04.2020,
Thomas Schmidt, Priester im Gallus

 

„Alles ist miteinander verbunden“

Diese zentrale Aussage der sozial-ökologischen Enzyklika Laudato Si‘ von Papst Franziskus bestätigt sich in der Coronakrise immer neu. Sie legt geradezu die Zusammenhänge offen, die unser Leben bestimmen. Das zeigt sich, wenn es um die Beschreibung der Ursachen und der Ausbreitung geht und jetzt erneut, wenn die Frage langsamer Lockerungen drängender wird. Welche Entscheidung hat welche Konsequenzen? Für wen ist sie gut, wen bringt sie in Gefahr? Ich bin froh, dass wir unsere Bundesregierung und die Landesregierungen (auch in ihren demokratischen Unstimmigkeiten) haben und möchte gleichzeitig nicht in ihrer Haut stecken. Ich wünsche ihnen für heute gute Entscheidungen.

Die Krise hat so viele Gesichter: Sie bringt Gutes hervor: Hilfsbereitschaft, Solidarität, Kreativität. Sie legt aber auch die Schwachstellen unserer Welt offen: Die Armen weltweit sind weit schutzloser dem Virus ausgeliefert als wir mit unserem doch relativ gut funktionierendem Gesundheitssystem. Die Nachrichten, die ich aus den Elendsvierteln der großen Städte Brasiliens und aus den Weiten des Amazonasgebietes erhalte machen mich sehr besorgt. Das Virus in Afrika will ich mir gar nicht vorstellen. Und dass Europa nicht bereit ist, schnell zumindest die 1600 unbegleiteten Flüchtlingskinder aus den Lagern aufzunehmen, ist ein Skandal.

Es kostet uns alle und auch da wieder sehr unterschiedlich (Risikogruppen, Kinder, Kurzarbeit usf.) sehr viel Kraft, diese Informationen zu verarbeiten und unser tägliches Leben zu organisieren. Eine Psychologin riet die Tage im Radio, nicht den ganzen Tag Corona-Nachrichten zu hören. Ein- oder zweimal sich gut und fundiert zu informieren reicht aus und ist besser zu verarbeiten.

Auch für glaubende Menschen ist diese Zeit eine große Herausforderung. Einfache Antworten gibt es nicht. Ich erinnere mich besonders an einen Gedanken Dietrich Bonhoeffers, den er am 21.7.44, also einen Tag nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler in dem Bewusstsein, dass er jetzt sterben muss, geschrieben hat: In der Diesseitigkeit glauben heißt: „in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten zu leben“, „sich Gott in die Arme werfen“ und „sein Leiden an der Welt mitleiden.“ „Wie sollte man bei Erfolgen übermütig oder an Misserfolgen irre werden, wenn man im diesseitigen Leben Gottes Leiden mitleidet?“

Ist das ein Weg mit der jetzigen Situation umzugehen? Ich hoffe das.

Eine Bitte:
Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei.

Vielen Dank!

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