Das Wochenwort 21

Die Heiligen, die wir brauchen!

 

Das Wochenwort für diese Woche kommt von Robert Biersack. Er war in den letzten beiden Wochen Pastoralpraktikant in unserem Pastoralen Raum. Herr Biersack ist Theologe und arbeitet im Moment für den Caritasverband in Frankfurt. An dieser Stelle bedanken wir uns bei ihm recht herzlich für sein Engagement in den letzten Wochen!

Hier sein Wochenwort an uns:

Die Heiligen, die wir brauchen!

Wir feiern heute das Hochfest Allerheiligen. Die Heiligen sind keine kleine Gruppe Auserwählter, sondern eine sehr große Schar jener, von der wir annehmen dürfen, dass sie bereits endgültig bei Gott angekommen sind. Zu ihr gehören nicht nur die offiziell von der Kirche Heiliggesprochenen, sondern die Getauften aller Zeiten und Nationen, die versucht haben, mit Liebe und in Treue den Willen Gottes zu erfüllen. Von den meisten von ihnen kennen wir nicht das Antlitz und nicht einmal den Namen.

Wenn wir aber an Heilige denken, kommen uns in der Regel sehr bekannte Heiligengestalten aus den letzten zwei Jahrtausenden in den Sinn, wie etwa Franz von Assisi, Therese von Avila oder Mutter Theresa von Kalkutta. An einem bestimmten Tag im Kirchenjahr denken wir Katholiken in besonderer Weise an sie, rufen sie um Fürbitte bei Gott an und ehren sie.

Am heutigen Festtag Allerheiligen denken wir aber besonders an jene, die nicht groß gefeiert und an die nicht öffentlich erinnert wird, an die große Zahl von Menschen wie du und ich, unsere Schwestern und Brüder, die oft trotz widriger äußerer Umstände in einer tiefen Verbindung mit Gott, dem barmherzigen und unendlich liebenden Vater, lebten und unbeirrt Gutes taten.

Heilige sind Menschen, die Gott an die erste Stelle in ihrem Leben setzen und aus seiner Nähe zu ihm im Gebet immer mehr so denken, fühlen und handeln wie Jesus. Die Kirche sagt, dass Gott, dessen Nähe sie suchten, selbst es ist, der sie mit Glauben, Liebe und Hoffnung erfüllt und ihnen Kraft und Inspiration gibt, sich für ihre Mitmenschen und die Schöpfung einzusetzen. Was die Heiligen auszeichnet, ist, dass sie sich stets neu für ein Leben mit Gott entscheiden. Solche Menschen gibt es auch heute.

Heilige sind Menschen, die sich im Alltag gegen Gleichgültigkeit und die Schwerkraft des Egoismus, den Hass in der Welt mutig und konsequent für die Liebe zum Mitmenschen einsetzten.

Ab morgen gelten in unserem Land verschärfte Corona-Maßnahmen, die weitere Kontaktbeschränkungen mit sich bringen. Wie sehr brauchen wir gerade in den nächsten Wochen Heilige des Alltags, die, mit Gott im Herzen, einen wachen Blick z.B. für die Nöte der Einsamen und Kranken haben, um die sich sonst niemand kümmert.

Rassistische Tendenzen nehmen bei uns zu, Beleidigungen und Diskriminierungen von Angehörigen von Minderheiten werden salonfähig. Wie wichtig ist es da, wenn der oder die Alltagsheilige  dem Pöbler beherzt widerspricht und in die Schranken weist.

Die Heiligen, die wir an Allerheiligen feiern, gingen einen Weg, der im Himmel angekommen ist, einen Weg, der aber grundsätzlich kein anderer Weg als der unsrige ist.

Auf die Heiligen zu schauen, kann für uns ein Ansporn sein: Auch wir können es schaffen, einmal ganz bei Gott anzukommen. Ja, wir sind von Gott zu diesem Ziel hin geschaffen.

 

Robert Biersack

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