Unser Kirchentagebuch 23

Er hat sich für uns klein gemacht

 

10. April, Karfreitag
Rolf Müller, Pastoralreferent

 

Der Karfreitag war für mich schon immer mehr als nur ein „Durchgangsfeiertag“ hin zu Ostern. Gerade in dieser Krisenzeit ist mir der Karfreitag besonders wichtig. Denn an diesem Tag zeigt sich mir, wie sehr Gott unser „Verbündeter“ geworden ist.

„Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich, wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“, so heißt es im Philipperbrief (Phil 2,6). An Weihnachten denke ich immer daran, wie körperlich klein sich Gott in Jesus gemacht hat: Er ist als ein echtes kleines Baby geboren worden. An Karfreitag zeigt sich dieses „Kleinsein“ noch mehr: Gott wird in Jesus klein im Sinne von verwundbar, folterbar, verletzlich, sterblich. In diesem Kleinsein teilt Jesus sein Schicksal mit uns Menschen, er verbindet sich mit uns, er wird unser Verbündeter.

Besonders aber wird er Verbündeter der Leidenden, der Benachteiligten, der Armen und der Kranken. Der leidende und sterbende Jesus will gerade heute den Coronakranken in aller Welt, den Geflüchteten an den Grenzen Europas, den um ihre Existenzen fürchtenden Menschen hier und in aller Welt ganz nahe sein.

Unsere Kirchen in Nied, Griesheim und Gallus sind heute offen. In ihnen ist heute Nachmittag das enthüllte Kreuz zu sehen. Wenn Sie möchten, schauen sie doch einfach vorbei. (Ich glaube, es wird möglich sein darauf zu achten, dass wir immer nicht mehr als drei oder vier Personen in der Kirche sind). Im Internet finden Sie auf unseren Homepages viele Möglichkeiten, den Kreuzweg alleine oder mit anderen gemeinsam zu beten und einen Film über die Kreuzenthüllung in St. Hedwig zu schauen.

Wenn wir das Kreuz verehren und damit an den Tod und das Leiden Jesu denken können wir spüren: Gott lässt uns nicht allein. Und er ruft uns auf, ihm nachzufolgen und selbst denen nahe zu sein, denen es nicht gut geht, die krank und alleine sind und denen Unrecht geschieht. Besonders diesen Menschen sollen wir dann zu echten „Verbündeten“ werden.

Eine Bitte:
Nicht alle unsere Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei.
Vielen Dank!

2 Gedanken zu „Unser Kirchentagebuch 23

  1. Karfreitag, welcher Tag könnte besser in diese momentane Weltkriese passen als dieser.
    „GOTT IST TOT“
    so könnte man meinen. Wo ist er? Warum lässt er all das zu? So haben die Menschen schon immer gefragt. Wir werden darauf keine letzte Antwort finden.
    Aber wir haben eine Gewissheit, schon im AT wird erzählt welche Erfahrungen die Menschen mit ihrem Gott gemacht haben. Es zieht sich durch die ganze Bibel hin bis zum heutigen Tag. Der Sohn Gottes stirbt am Kreuz. Warum? Ende?
    Nein . Die Bibel erzählt auch, dass nach allem schrecklichen Geschehen etwas neues begann. ein Umdenken stattfand. Menschen nach Lösungen gesucht haben.
    So geht es uns auch heute.
    Lösungen finden in einer Zeit wo nichts mehr so ist wie es mal war.
    So habe ich gestern mit meinem Mann z.B. eine wunderschöne Gründonnerstagfeier gestaltet. Die Kerzen an der Menora angezündet, die Evangelientexte im Wechsel gelesen, dass Brot gebrochen und ein Gläschen Rotwein getrunken. Das Ende bildete der Text : Die Gefangennahme Jesu am Ölberg.
    Es war eine sehr ungewöhnliche aber auch tiefe Erfahrung.
    Gott lebt! Gehen wir mit IHM und er mit uns durch diese dunkle Zeit. Durch den Tod hin zum Leben.
    Denn wir wissen, nur aus dem gebrochen sein , kann neues Leben entstehen.
    Gehen wir in dieser Zuversicht dem Ostermorgen entgegen.
    Es grüßt Euch alle
    Gabriele

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